Rheinische Post 31.05.2011
Neue Hörerfahrung
Orgel verschmolz mit tiefem Klang des Fagott
Wegberg.- Es war sicherlich keine alltägliche Kombination, zu der der Kulturförderkreis OPUS 512 zum Abschluß des Wegberger Musikfrühlings eingeladen hatte.
Schon nach den ersten Takten wurde klar, dass diesmal die Besonderheit des Duos in seiner Ähnlichkeit lag. Die unteren Register der Orgel und der tiefe, etwas dumpfe Klang des Fagotts waren zwar deutlich differenzierbar, schmolzen im Gesamtklang aber fast gänzlich zusammen.
Udo Witt, Kantor an der ev. Hauptkirche in Rheydt und die stellv. Solofagottistin der Niederrheinischen Symphoniker, Marlene Simmendinger, hatten neben Vivaldi noch andere Werke des Barocks ausgewählt, widmeten sich aber auch romantischen und modernen Werken.
Udo Witt bestach mit seiner Interpretation eines Präludiums und einer Fuge Max Regers. Verspielte Melodien standen im Wechsel mit mächtigen, vollen Orgelharmonien, die in der Akustik der Beecker Kirche St. Vincentius besonders gut zum Tragen kamen. Regers Werk konnte mit seiner außergewöhnlichen Klangvielfalt jedes Klischee widerlegen, das Orgelmusik zwangsläufig mit undurchsichtigen Klangteppichen in Verbindung zu bringen ist.
Marlene Simmendinger überzeugte als charismatische Fagottistin mit großer Virtuosität und musikalischem Verständnis für alle Epochen. In der Zugabe, einem Satz aus einer Cellosonate von Telemann, zeigte Simmendinger voller Leichtigkeit, wie schön ein Fagott als Melodieinstrument sein kann.
Zwar war es streckenweise schwierig, dem homogenen Gesamtklang der beiden tiefen Instrumente Fagott und Orgel zu folgen, weil die Stimmen oft verschwammen. Wer sich aber auf den neuen Klang einließ und aufmerksam zuhörte, konnte eine neue Hörerfahrung machen.


